Ein Blick auf die Geschichte des Australian Shepherds

 

Von Linda Rorem (der Orginalartikel erschien 1987 im DogWorld Magazine, überarbeitet 2007)
mit freundlicher Genehmigung der Autorin

 

 

Der Ursprung vieler Rassen liegt im Dunkeln. In Bezug auf den Australian Shepherd enstanden unterschiedliche Theorien, wie die über die australische Herkunft, dass er tatsächlich eine baskische Rasse sei oder die, dass er altspanischen Ursprungs sei. Die von mir durchgeführten Untersuchungen deuten darauf hin, dass keine der genannten Theorien für sich allein richtig sind, sondern erst gemeinsam das Gesamtbild ergeben.

Historische Berichte aus Kalifornien zeigen, dass die Zahl der Schafe im Westen während des Goldrausches in den 1840ern stark abnahm, auch wenn es viele Schafherden in den spanischen Missionen gab. Der Goldrausch und der Bürgerkrieg brachten eine große Nachfrage nach Schaffleisch und Wolle mit sich. Um diesem Bedarf gerecht zu werden, wurden große Herden aus dem Mittleren Westen der USA und aus New Mexico in den Westen getrieben. Schafe wurden aus den östliche Staaten um Kap Horn gebracht und aus Australien importiert. (1) Hunde, die diese Herden begleiteten, spielen zusammen mit späteren Importen eine Rolle bei der Entstehung des Australian Shepherds. Die Hunde, die mit den Herden aus dem Mittleren Westen und dem Osten kamen, waren vermutlich größtenteils von ursprünglichem Collie-Typus, wurden meist 'Shepherd' (Schäferhund) genannt und kamen mit den Siedlern von den Britischen Inseln nach Amerika.

Diese Collies und Shepherd stammten nicht nur aus dem Mittleren Westen und dem Osten der USA, sondern auch direkt aus Großbritannien. Die Collies jener Tage waren starke und vielseitige Arbeitshunde mit einer mehr aufrechten Arbeitshaltung und mit einem loseren Auge als ihre arbeitenden Nachkommen, die Border Collies. (2)

Farmcollie

Anders als sein Show-Nachkomme, der Langhaar-Collie, war der ursprüngliche Arbeitscollie selten zobelfarben, sondern üblicherweise schwarz-weiß mit oder ohne lohfarbenen Abzeichen oder blue-merle (grauschwarz getigert). (3) Margaret Osborne berichtet in ihrem Buch ‚The Popular Collie’: „… die Farbe Blue-Merle ist eine der aller ältesten beim Collie und die blauen Hunde waren häufig auf Farmen als Begleiter und Arbeiter zu sehen. Möglicherweise war das der Grund – sie wurden als gewöhnlich angesehen – dass die blue-merle Collies fast völlig aus dem Show-Ring verschwanden ….. und hätte es gegen Ende des 19.Jahrhunderts nicht die Bemühungen einiger weniger Unentwegter gegeben, sich an die Wiederbelebung der Farbvariante zu machen, gäbe es heutzutage ziemlich sicher keine blue-merle Collies mehr.“

Farmcollie

Während im späten 19. Jahrhundert der Langhaar-Collie und der Border Collie begannen unter dem Einfluss von Shows und Hüte-Trials ihr heutiges Aussehen zu entwickeln, wurden sie weiterhin nach Amerika importiert. Auf amerikanischen Farmen und Ranches wurden jedoch weiterhin auch die Arbeitshunde vom ursprünglichen Collie/Shepherd-Typ gezüchtet. Es entstand einige Verwirrung um den Begriff ‚Collie’. Die Züchter der bei den Zuchtvereinen registrierten Hunde beharrten darauf, dass ihre Hunde die einzig wahren Collies wären und sie waren eine Zeit lang ziemlich erfolgreich darin, den Namen allein zu beanspruchen. Daneben wurden die Namen ‚Shepherd’ (Schäfer) oder ‚Shepherd Dog’ (Schäferhund) abwechselnd mit ‚Collie’ oder ‚Colley’ für die britischen Hütehunde verwendet. Als dann ‚Collie’ mehr mit den bei den Zuchtvereinen registrierten Collies assoziiert wurde (sowohl für Hunde mit einem längeren und schmaleren Kopf als auch für solche mit einem breiteren Kopf, die noch eine Zeit lang Teil der Rasse blieben), verwendete man in Amerika den Namen ‚Shepherd’ speziell für den ursprünglichen Typ von Arbeitshund (4).

Im Osten und Mittleren Westen der USA wurden diese Arbeitshunde schließlich „English Shepherds“ und im Westen ähnliche Hunde „Australian Shepherds“ genannt. Da die sich entwickelnden Rassen aufgrund von örtlichen Gegebenheiten unterschiedlichen Einflüssen und unterschiedlicher Selektion unterworfen waren, ergaben sich Unterschiede, trotzdem blieben Ähnlichkeiten erhalten. Angeborene Stummelruten kommen beim English Shepherd vor und waren auch bei frühen Langhaar- und Kurzhaar-‚Show’-Collies nicht ungewöhnlich (5).
Briefe und Fotos, die im Britischen Magazin für seltene Viehrassen ‚The Ark’ im Mai 1987 und Juli 1987 erschienen, befassen sich mit stummelrutigen Arbeitscollies im heutigen Großbritannien und sie beschreiben einen Hund mit einem Aussehen und einer Arbeitsweise, wie sie für den Australian Shepherd typisch sind. Während es üblich wurde, den Australian Shepherd zu kupieren, sind beim English Shepherd sowohl lange als auch angeborene Stummelruten erlaubt. Fell und allgemeines Erscheinungbild sind ähnlich. Der English Shepherd und der Australian Shepherd haben die alten Colliefarben Tricolor, Black-and-tan und Schwarz-weiß gemeinsam, aber das Zobel, das beim English Shepherd erlaubt ist und auch beim frühen Aussie vorkam, wird im heutigen Standard für Australian Shepherds nicht akzeptiert. Umgekehrt ist heutzutage Merle und das rezessive Chocolate/Red beim English Shepherd nicht akzeptiert, auch wenn Chocolate/Red als rezessive Farbe immer noch hin und wieder auftaucht (6). Eine weitere Verbindung zu den Collie-Rassen zeigt sich in dem Vorkommen der Mutation für Ivermectin-Empfindlichkeit (mdr1) beim Australian Shepherd.

Die Hunde, die halfen die Herden aus New Mexico her zu treiben, sind wahrscheinlich größtenteils spanischen Ursprungs. Alte Berichte beschreiben die New Mexican Sheepdogs als große, kräftige Herdenschutzhunde, wolfsartig im Aussehen und üblicherweise von gelb-weißer Farbe. Diese Hunde waren in erster Linie Wächter mit schwach ausgeprägtem Hüteverhalten. Hunde diesen Types gab es zweifellos auch in Spanisch-Kalifornien.

Collie mit Stummelrute von dem englischen Künstler John Emms (1844-1912)

Das Erblühen der Schafzucht-Industrie im amerikanischen Westen im 19.Jahrhundert führte zu einem Wechsel vom New Mexico Sheepdog zum Collie- und Shepherd-Typ, wie er von Siedlern und Ranchern in großen Zahlen mitgebracht wurde. Als die Hunde von britischer Abstammung in den Westen kamen, wird es hin und wieder zu einer Vermischung mit den spanischen Schlägen gekommen sein, so wie die spanischen Pferde des Westens mit den Vollblütern und anderen Rassen der späten Siedler aus dem Osten verpaart wurden. Die wichtigste Anforderung an einen Hütehund war seine Fähigkeit, die Arbeit zu erledigen. Im späten 19.Jahrhundert überwog jedoch der britische Einfluss (7).

Am 24. September 1859 erschien im San Joaquin Republican folgende Notiz:
„Australian Shepherd Dogs. Wie die San Francisco Times schrieb, kamen kürzlich einige dieser zottigen und intelligenten Geschöpfe aus Australien an, um im Süden des Landes mit dem Hüten von Schafen beschäftigt zu werden. Sie sind bemerkenswert klug, kraftvoll und zäh, aber nicht hübsch. Ihre Ausdauer und Treue sind das Thema zahlreicher Anekdoten.“

German Coolie

Die Hunde, die mit Schiffsladungen von Schafen aus Australien ankamen, waren wahrscheinlich größtenteils britischen Ursprungs wie auch die Siedler Australiens zu dieser Zeit. Die australischen Hunde haben vermutlich neben anderen Rassen zum Smithfield-Hund, der als langhaarig und stummelrutig beschrieben wurde, beigetragen und zum getigerten German Coolie oder Koolie. Auch wenn er nicht vom australischen Zuchtverband anerkannt wird, ist der German Coolie seit langem in Australien bekannt. Für seinen ungewöhnlichen Name ist vermutlich seine Popularität in einem Gebiet verantwortlich, in dem es viele deutsche Siedler gab, wohingegen die Hunde selber größtenteils britischer Herkunft sind und von den Siedlern bei deren Ankunft angeschafft wurden (8).
In Hinblick darauf, dass im 19. Jahrhundert die Merinoschafe meistens aus Sachsen (Deutschland) nach Australien kamen, ist es möglich, dass einige deutsche Hütehunde zur Rasseentstehung beitrugen.

So wie überall in Europa gab es in dieser Zeit vor dem Entstehen des Ausstellungswesens bei den Hütehunden in Deutschland eine große Variabilität in Fellbeschaffenheit und Farbe, einschließlich Blue-merles und halblanges Fell (9). In Australien wurden die Hunde deutscher Abstammung wahrscheinlich bald mit den weit zahlreicheren Arbeitshunden britischer Herkunft verpaart, von denen viele ebenso getigert waren und ein im Allgemeinen ähnliches Aussehen und ähnliche Arbeitsanlagen besaßen. ‚Welsh Heeler’ war ein anderer Name, der für Hunde diesen Types in Australien verwendet wurde, und es wird berichtet, dass blue-merle Langharrcollies von der Familie Hall nach Australien gebracht wurden.

So wie im Osten der USA wurden Hunde vom Shepherd-Typ, die aus England und anderen Gegenden Großbritanniens kamen, ‚English Shepherd’ genannnt (die ganze Insel wird of fälschlicherweise ‚England’ genannt), obwohl es in England keine Rasse mit diesem Namen gab, wurden auch im Westen der USA Hunde ähnlichen Typs und Abstammung, die aus Australian importiert wurden, bald ‚Australian Shepherd’ genannt, obwohl dieser Name in Australien für keine Rasse gebräuchlich war. Genauer gesagt wurde der Name in Amerika für Hunde verwendet, die aus Australien kamen.

Obwohl nur ein kleiner Teil der Arbeitshunde im amerikanischen Westen australischer Abstammung waren und die Tigerung auch bei nicht australischen Hunden nicht ungewöhnlich war, kam es vielleicht zu der Verknüpfung von getigerten Shepherds und Australien folgendermaßen: Die Leute sahen, dass Schafe aus Australien an ihrem Bestimmungsort entladen wurden, und bemerkten die getigerten Hunde, die die Herden begleiteteten. Sie assoziierten dann diese Farbe und das allgemeine Aussehen der Hunde mit dem ähnlicher Hütehunde dieser Gegend, ungeachtet der tatsächlichen Abstammung eines Hundes, und nannten dann die Hunde ‚Australian Shepherds’. Mein großer, blue-merle Sheltie wurde auch schon oft einfach aufgrund seiner Farbe und seines allgemeinen Aussehens als Australian Shepherd bezeichnet. Es ist für viele Leute nicht unüblich, dass sie eine Rasse anhand der Farbe charakterisieren.

English Shepherd

Ich habe keine Beweise für die Theorie gefunden, dass der Australian Shepherd von Hunden abstammt, die im 19.Jahrhundert von Basken zusammen mit Merinoschafen aus Spanien nach Australien und dann von Australien nach Amerika gebracht wurden. Obwohl Merinoschafe ursprünglich aus Spanien stammen, wurden Merinos hauptsächlich aus Sachsen nach Australien importiert und weniger aus Spanien. Der König von Spanien hatte einst dem Herrscher von Sachsen Merinoschafe geschenkt und schließlich wurde Sachsen die beste Quelle für Merinoschafe (10).

Die Basken kamen in der Mitte der 19.Jahrhunderts aus Südamerika, Mexico und dem Baskenland in den amerikanischen Westen. Sie kamen ursprünglich wegen dem Goldrausch, ergriffen aber schnell die Möglichkeiten, die ihnen die Viehwirtschaft bot, und wurden schnell sehr bekannt in der Schafwirtschaft der Vereinigten Staaten. Die Basken gingen bis zur Jahrhundertwende nicht nach Australien. Dort waren sie dann in der Zuckerindustrie und nicht in der Schafzucht beschäftigt (11).

Berger des Pyrénées

In ihrer Heimat hatten Basken nicht mehr mit Schafhüten zu tun als jede andere ethnische Gruppe. Unter den Basken, die kamen, um als Schäfer zu arbeiten, waren auch solche, die Erfahrungen mit Schafen hatten aufgrund der Schafzucht in ihrer Heimat, aber es gibt genauso Berichte über Basken, die keine Erfahrungen als Schäfer in ihrer Heimat gesammelt hatten (12). Erst in Amerika wurden von ihrer Anwesenheit in der Schafzucht Notiz genommen.

Basken hatten im amerikanischen Westen durch den Gebrauch und die Zucht von Hütehunden einen wichtigen Einfluss auf die Entwicklung des Australian Shepherds. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Vorfahren der Hunde vorwiegend aus dem Baskenland kamen, auch wenn es verständlich ist, dass der Eindruck entsteht, es gäbe eine Verbindung zwischen den Basken und den Hunden, die sie nutzten.

In Aufzeichnungen über Basken, die in die USA kamen, um dort als Schäfer zu arbeiten, wird berichtet, dass es übliche Praxis war, dass die Schäfer sich erst nach ihrer Ankunft einen Hund besorgten (13). Das wird von Anfragen an das Center for Basques Studies an der Universität von Nevada in Reno bestätigt. Die wenigen Hunde, die mit baskischen Einwanderern ankamen, hätten sich wohl bald mit den zahlreicheren Hütehunden britischer Abstammung vermischt.

Es gibt mehrere Hütehundrassen, die aus den Pyrenäen stammen und es wird behauptet, dass eine davon, der Pyrenäen-Schäferhund (Berger des Pyrénées) mit kurzhaarigem Gesicht, der Vorfahr oder der hauptsächliche Vorfahr des Aussies sei. Auch wenn man in den Pyreneen tatsächlich einzelne Hunde finden kann, die an einen Aussie erinnern – ähnliche Fellbeschaffenheit und ein ähnliches Äußeres kann man in ganz Europa bei Arbeitshundrassen finden und sogar die Rentier-Hütehunde in Lappland haben hin und wieder natürliche Stummelschwänze – sind die typischen Eigenschaften des Pyrenäen-Schäferhundes nicht übermäßig ähnlich zu denen des Aussies. Die Hütehunde der französischen Basken sind normalerweise Hunde mit kurzhaarigem Gesicht und werden als ähnlich einem einfarbigem Bearded Collie in den Farben Falb, Zobel, Grau, Schwarz und Merle beschrieben. Die Varietät mit kurzhaarigem Gesicht, die einem kleinen Arbeitscollie oder großem Sheltie ähneln, sind oft getigert und kommen eher auf der französischen Seite am Fuß der Pyrenäen als in den Gebirgsregionen vor.

Bei beiden Varietäten (die unterschiedlichen Felltypen dürfen miteinander verpaart werden) wird die Fellfarbe Schwarz mit lohfarbenen Abzeichen, was auch Tricolor einschließt, nicht als rassetypisch angesehen und ist laut Rassestandard ein Fehler. Weiße Abzeichen sind unerwünscht und die Nase und die Augenliederränder müssen einheitlich schwarz sein, Rot bzw. Leberfarben werden nicht akzeptiert. Es kommen sowohl lange Ruten als auch angeborene Stummelruten vor (14).

Eine andere Hütehundrasse der Pyrenäen ist der Katalanische Schäferhund oder Gos D'Atura. Er ist eine weitere rauhhaarige, meist zobelfarbene oder graue Rasse. Obwohl lohfarbene Abzeichen bei dieser Rasse erlaubt sind, sind weiße Abzeichen unerwünscht und Nase und Augenlider müssen schwarz sein. Die Hunde, die die spanischen Basken als ihren ursprünglichen Hütehund ansehen, wird Baskischer Schäferhund ( Euskal Artzain Txakurra oder Perro de Pastor Vasco) genannt wird und ist zobelfarben und langschwänzig. Von ihnen gibt es zwei Felltypen: halblang mit kurzhaarigem Gesicht und kurz behaarten Beinen und der rauhhaarige Typ, beide mit schwarzer Nase und Augenlidern.

Natürlich bedeutet es nicht, dass das, was als untypisch angesehen wird, niemals vorkommt und moderne Rassestandards haben sich schon oft dahin entwickelt, dass sie einen wesentlich einheitlicheren Typ verlangen als ursprünglich für die Rasse typisch war. Folglich gab es Pyrenäenschäferhunde mit lohfarbenen Abzeichen und zweifellos gab bei den Gos D'Atura und Perro De Pastor Vasco ursprünglich auch andere Farben, zumal ähnliche Felltypen und -farben in allen Hütehundschlägen in ganz Europa vorkommen.

Gos D'Atura

Trotzdem ist festzustellen, dass der Australian Shepherd in seinem allgemeinen Erscheinungsbild bezüglich Körpergröße, Färbung, Gestalt und Arbeitseigenschaften mehr dem typischen, alten Farmcollie ähnelt als den Hütehundrassen der Pyrenäen. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass durch irgendwelche glücklichen Umstände eher die selteneren getigerten Hunde mit kurzhaarigem Gesicht oder schwarze Hunde mit lohfarbenen Abzeichen und rezessiver roter Färbung aus dem Baskenland nach Amerika gebracht wurden als die zahlreicheren rauhhaarigen und gelbbraunen Hunde und dass sie in Amerika getrennt von den Arbeitscollies bzw. Shepherds britischen Ursprungs, bei denen Schwarz mit Lohfarben, Merle, rezessives Rot und weiße Abzeichen häufig vorkommen, so gezüchtet wurden, dass sie eine eigene Rasse begründeten (15).

Viele Fotos aus dem Amerika des 19. Jahrhunderts zeigen Hunde vom Typ des alten Farmcollies bzw. Shepherds. Manche Leute versuchen die Hunde mit modernen Rassenamen zu bezeichnen, aber das ist nicht wirklich treffend. Die heutigen Rassen (aus allen Gruppen – Terrier, Apportierhunde, etc.) waren bis lange nach der Einführung von Hundeausstellungen nicht klar definiert. Welcher Schlag zu welcher Zeit und sogar in welcher Form eine anerkannte Rasse wurde, hat viel damit zu tun, ob und wann eine Gruppe von Menschen beschloss, sich eines bestimmten Typs als ihrer Rasse anzunehmen. Entgegen allgemeinen Glaubens ist die Anerkennung durch einen Rassehundeclub kein Anspruch auf Blutreinheit mit einem geschichtlichen Hintergrund. Man kann nur ganz allgemein feststellen, dass zu irgend einem Zeitpunkt damit begonnen wurde, nieder geschriebene Stammbäume aufzubewahren, der Rassetyp einheitlicher wurde und die Zuchtbücher offiziell geschlossen wurden.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert gab es viele Kreuzungen zwischen den unterschiedlichen Hütehundschlägen im amerikanischen Westen. Im Allgemeinen ist die Wahrscheinlichkeit dann dafür groß, wenn es Ähnlichkeiten in Typ und Gebrauch gibt. Durch diese Art von Vermischungen sind praktisch alle Hunderassen hervorgebracht worden. Und im Fall des AUstralians Shpehrds waren die Kreuzungen weit weniger willkürlich und zwischen weit weniger unterschiedlichen Typen als bei vielen anderen Rassen (16).

Allgemeine Merkmale und Hinweise aus historischen Quellen weisen darauf hin, dass der Australian Shepherd mit einem gewissen spanischen/baskischen Einfluss vor allem von Collies bzw. Shepherds der britischen Inseln abstammt. Der Australian Shepherd ist weder eine australische Rasse, auch wenn es sicherlich eine Verbindung zu Australian gibt, wie der Name nahelegt, noch ist er eine spanische, baskische oder britische Rasse. Er ist eine amerikanische Rasse, die über einen langen Zeitraum hinweg im amerikanischen Westen entstand (17).

 

 

Anmerkungen:

(1) California, 3rd. Herausg. John W. Caughey, 1970, Prentice Hall; et al.. Ausgabe The Ranchers, von den Herausg. der Time-Life Books (Old West series), 1976, enthält eine exzellente Zusammenfassung der Geschichte der Schafzuchtindustrie des Westens einschließlich einer umfangreichen Literaturliste.

(2) The Farmer’s Dog, John Holmes, 8. Ausgbae., 1978, Popular Dogs Publ. Co.; Sheepdogs at Work, von Tony Iley, 1982, Dalesman Books.
Die Betonung von 'Auge' und dem schleichenden Gang ist größtenteils die Folge von Working Trials, die im späten 19.Jahrhundert für britische Hütehunde eingeführt wurden. Hütehunde mit 'Auge' gab es schon früher, aber eher selten, bis dieses Merkmal durch die Wettkämpfe hervorgehoben wurde und in der Folge darauf bewusst in der Zucht selektiert wurde.

(3) The New Complete Collie, Collie Club of America, 1983, Howell Book House; The Collie, von O.P. Bennett, 1917, Washington, IL; The Popular Collie, by Margaret Osborne, 1962, Arco Publ. Co.

(4) In Großbritannien blieb der Begriff “sheepdog” weiterhin die Bezeichnung für solche Hunde. Im Fall des Australian Shepherds wäre der treffendere Name “American Western Shepherd”, auch wenn es bestimmte Verbindungen zu Australien gab, die zu dem Namen führten.

(5) Bobtails in the English Shepherd: Broschüre, veröffentl. von The English Shepherd Club; Rassestandard des English Shepherds; ebenso Fotos, Artikel und persönliche Mitteilungen.

(6) Auf der anderen Seite bewahrte der Border Collie all die alten Colllie-Farben und auch wenn er meistens schwarz-weiß ist, kommen auch Tricolor, Schwarz mit lohfarbenen Abzeichen, Rot, Red-Merle, Blue-Merle, Blaugrau und Zobelfarben vor.
Siehe The Versatile Border Collie, von Janet Larson, 1986, Alpine Publications, Inc., und The Border Collie, von Iris Combe, 1987, Faber and Faber. Zobel beim Aussie. Die Quellen schließen persönliche Diskussionen mit Züchter sowie Erwähnungen der Farbe in Artikeln über die Rasse ein.

(7) Dogs on the Frontier, von John E. Baur, 1964, The Naylor Co.

(8) Ein paar Hinweise zum „German Coolie”, “German Koolie” oder “German Collie” tauchen in verschiedenen Briefen, Artikeln in Zeitschriften über Arbeitshunde und in ein paar Büchern auf. Heutzutage sind auch Informationen über das Internet erhältlich.

(9) Getigerte Hütehunde werden in Deutschland „Tiger“ genannt. „Tiger“ ist mehr eine Farbbezeichnung als eine Rasse, wie z.B. 'Schwarzmarken'. Tiger variieren beträchtlich in Größe, Fellbeschaffenheit und anderen Merkmalen. In seinem Buch „Der deutsche Schäferhund in Wort und Bild“ von 1925 nennt Max von Stephanitz getigerte Hunde mehrfach gesprenkelt, gefleckt und Tigerschecke. Er bezieht sich nicht auf eine Rasse, die „Tiger“ genannt wird, und die Anmerkungen zu Australiern, die sich deutsche Arbeitshunde importieren, beziehen sich auf den modernen Deutschen Schäferhund. Seit einiger Zeit gibt es eine Arbeitsgemeinschaft von Züchtern von Altdeutschen Hütehunden, die sich um die Zucht der einzelnen Schläge bemühen. Aber auch heutzutage werden die Hütehundschläge oft miteinander gekreuzt.

(10) Sheep and Wool Science, 4. Ausg., von E. M. Ensminger, 1970, Sowohl amerikanische als auch australische Geschichte, wie z.B. A History of Australia, von Marjorie Barnard, 1963, Frederick A. Prager.

(11) Amerikanuak, Basques in the New World, von William A. Douglass und Jon Bilbao, University of Nevada Press, das definitive Buch zum Thema.

(12) An Enduring Legacy: the Story of Basques in Idaho, John und Mark Bieter, 2000, University of Nevada Press.

(13) Sweet Promised Land, von Robert Laxalt, 1989, University of Nevada,
Ergänzend zu verschiedenen Artikeln in Zeitschriften über den Westen und seine Geschichte

(14) Various dog breed encyclopedias, e.g., A Standard Guide to Purebred Dogs, Harry Glover, 1977, McGraw-Hill; The Encyclopedia of the Dog, Fiorenzo Fiorone, 1973, Rissoli Editori.

(15) Ein Autor hat sogar versucht, die Britischen Hütehunde auf einen letzlich iberischen Ursprung zurückzuführen. Aber es gibt keine Grundlage dafür, natürliche Stummelruten mit Spanien gleich zu setzen. Natürliche Stummelruten kommen bei allen Hütehundrassen Europas vor. Genausowenig hat der Import von Merinoschafen eine spezielle Verbindung mit den Basken. Merinos kommen nicht aus dem Baskenland, das seine eigenen Schafrassen besitzt. Die Annahme eines alten baskischen Ursprungs des Aussies über den Welsh Sheepdog ist reine Mutmaßung. Die Hunde, die die frühen Einwanderer begleiteten, hatten normalerweise ein sehr uneinheitliches Aussehen und wurden durch die Jahrhunderte hindurch intensiv mit den Hunden der später Ankommenden vermischt (und in manchen Fällen auch ersetzt). Aufzeichnungen von Mönchen oder späteren Importeuren, die möglicherweise ein paar Hunde zusammen mit importieren Schafen von Spanien nach Großbritannien brachten, enthalten keine Hinweise auf die Gründung eines Typs oder einer Rasse im Gegensatz zu einem weiteren kleinen Zusatz: Der Welsh Sheepdog ist ein Hütehund, der mit losem Auge an Schafen arbeitet, und hat wie viele andere britische Hütehunde viele Ähnlichkeiten zum Aussie. Es selbst ist jedoch auch schon eine Kreuzung ursprünglicher walisicher Varietäten mit Collieartigen, die ebenfalls mit losem Auge hüten und aus Cumberland und anderen Gegenden des nördlichen Englands und Schottland dorthin gebracht wurden, bevor der mit Auge hütende Border Collie entwickelt wurde. Siehe Hutchinson’s Dog Encyclopedia (1934).
Vom Typ her steht der Welsh Sheepdog den typischen britischen Collies oder Hütehunden näher als dem Pyrenäenschäferhund. Außerdem stammten die Hütehunde, die nach Amerika und Australien gebracht wurden, aus allen Teilen Englands. Hunde aus Wales hatten weder einen dominierenden Einfluss noch wurden sie von den anderen Hütehunden getrennt gezüchtet.

(16) Ein Beispiel für die Vermischung der Hütehunde im amerikanischen Westen ist in den Aufzeichnungen von Mrs. Roy Cotton enthalten, einer frühen Züchterin von registrierten Australian Shepherds, und wurde 1966 in der Frühlingsausgabe der Zeitschrift der Animal Research Foundation veröffentlicht. Sie berichtet, wie die blue-merle Hunde ihres Onkels, die 1917 oder 1918 in Colorado oder Montana erworben wurden, mit einem schwarzen Hund vom Typ eines Border Collies verpaart wurden und später mit zwei getigerten Rüden aus Australien. Die daraus hervorgegangen Nachkommen wurden als Australian Shepherds angesehen.

(17) Bei vielen Rassen postulieren Kenner der Rassegeschichte oft einen alten und reinen Ursprung ihrer Lieblinge, aber diese Ansprüche sind weitgehend unhaltbar, wie neuere genetische Untersuchungen der Hunderassen gezeigt haben. Die meisten Rassen waren bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts und sogar später gut durchmischt. Das ist nichts, für das man sich irgendwie zu schämen braucht oder das als weniger wünschenswert zu betrachten wäre als ein alter und reiner Ursprung – es ist einfach die Art wie die meisten modernen Hunderassen einschließlich des Australian Shepherds entstanden sind. Wie andere Rassen ist der Australian Shepherd eine Mischung, hauptsächlich aus Nachfahren der alten Farmcollies bzw. Shepherds, dem „Old Shep“ der Legenden, – einem Erbe, auf das man stolz sein kann.

e-mail Pacifica19@aol.com

(Übersetzung Silke Sandberg)